OK, wir waren dann noch bei drei weiteren Ärzten am Donnerstag und Freitag mit Timmi.
Es fing ja damit an, dass er nicht laufen konnte. Dann bekam er Fieber. Dann wackelte ein Zahn, der absolut nicht wackeln durfte.
Zahnarzt: Am Frontzahn ist die Wurzel jetzt quasi abgebaut, alles andere am Zahn ist entzündet. Loch reingebohrt, damit alles ablaufen kann. Empfehlung, zur Abklärung nochmals bei der Kinderärztin vorstellig zu werden, weil der Entzündungsherd nicht für das Fieber reicht, für ein Antibiotikum eventuell aber schon, das ich ihm wegen der Vorgeschichte aber nicht nur wegen eines entzündeten Zahns geben mochte.
Kinderärztin: War nicht da, nur die Vertretung ihrer Vertretung und die war wesentlich panischer als ich. Ihre erste Reaktion: Der muss sofort ins Krankenhaus, Knie punktieren, zwei Wochen liegen. Ich hab sie dann erstmal beruhigt
, wir hatten ja schon einige Ärzte hinter uns. Ihre zweite Reaktion: Das sind bestimmt Streptokokken, und die Kinder, die eine Streptokokken-Infektion haben, die habe ich dann hinterher bei der Herztransplantation wiedergesehen. Wir haben uns dann zehn Minuten gestritten und es anschließend mal mit einer Untersuchung und Blutabnehmen versucht.
Danach waren wir aber auch nicht schlauer. Diese komischen Streptokokken-Abstriche sehen aus wie Schwangerschaftstests. Es gibt einen Kontrollstreifen und einen zweiten Streifen, der erscheint, wenn der Test positiv ist.
Wenn. Er. Erscheint. Die Arzthelferin: Der ist negativ. Die Ärztin: Der Test ist positiv. Ich: Also wenn ich den ans Fenster halte, im 97.8-Grad-Winkel betrachte und dreimal draufspucke, könnte man da vielleicht eine winzig-kleine zweite Linie erkennen. Jedenfalls bekam er reines Penicillin in einer Dosierung, die einen Elefanten umbringen würde (2 Millionen Einheiten…) und die Empfehlung, am Freitag nachmittag (!) nochmals beim Chirurgen vorstellig zu werden. Da hatten wir zum Glück sowieso schon einen Termin. Was wir nicht hatten, trotz 17 Jahren Fahrerfahrung in Potsdam und reichlich Gewöhnung an Verkehrschaos: Einen Plan, wie ich von der westlichen Seite Potsdams auf die östliche komme, wenn die Autobahn, die Maulbeerallee, die Zeppelinstraße, ein Teil der Breiten Straße und auch die Friedrich-Ebert-Straße gesperrt sind. Wir haben dann geschlagene zwei Stunden gebraucht, von Golm nach Babelsberg. Und das für was?
Chirurg (betritt die Bühne): Tach. Wat is?
Ich: Knie.
Er: Weiss ich.
(sieht das Knie von außen an und kurz in den Computer. Ich gebe in 30 sec. die Untersuchungsergebnisse der letzten 24 h an).
Er: Kommse Montach wieda.
Ich: Äh – und?
Er: Kommse Montach wieda.
(geht von der Bühne).
Ich: Ahja. Dankeschön für das Gespräch und die ausführliche Diagnose.