Donnerstag, 21.2. - Ein Golmtag, oder: Ich glaube, wir müssen mal wieder umziehen
Februar 27, 2008 von kaddi2
Was sind Golmtage? Golmtage sind sowas wie Zombietage. Tage, an denen sich die Verrückten der Welt (zu denen wir uns selber zählen) verabredet haben, um uns ein wenig Abwechslung zu bereiten. Und die laufen dann meistens noch in Golm rum. Frei.
1. Die Kuh.
Es fängt an mit einer Kuh. Nichts Ungewöhnliches? Doch, wenn sie um 15.10 h MEZ mit einem Halsband und einer Hundeleine auf der Breiten Straße spazieren geführt wird. Zur Erklärung für die vielen Mitleser (ich kenne Euch, alle! ;-), die nicht aus Potsdam kommen: Die Breite Straße heißt nicht nur so, sondern ist es auch, nämlich z.T. sogar fünfspurig und eine der Hauptverkehrsstraßen in der Potsdamer Innenstadt. Die Kuh und ihr Herrchen verursachen einen kleinen Stau und laufen dann ganz gemütlich weiter Richtung Havelbucht, wohl einen kleinen Frühlingsspaziergang machen. Hier wusste ich: Das wird ein Golm-Tag.
2. Die Hose.
Nachmittags wollen wir mit der Krabbelgruppe einen kleinen Spaziergang machen, unter anderen, um den Spielplatztest fortzuführen. Eins der kleineren Kinder hat keine Matschhose, also suche ich aus unserem zugegeben sehr reichlichem Bestand eine halbwegs passende aus. Die dazugehörige Mutter sieht die Hose an: “Mhm, könnte passen.” und krempelt sie aus, um nach der Größe zu sehen. Guckt, und guckt nochmal auf das Größenschild. Und findet das furchtbar lustig. Warum findet sie es lustig? Weil es ihre Hose war! Und zwar vom ersten Kind, d.h. die war mindestens schon ein Jahr, wenn nicht länger, unbemerkt in meinem Besitz. Meine Kinder haben sie inzwischen fleißig getragen. Ich hatte Ihr also sozusagen ihre eigene Hose geliehen.
3. Der Tannenbaum.
Die drei großen Jungs und ein tapferes Mädel der Krabbelgruppe haben sich vom Komposthaufen einen Tannenbaum geholt. Ganz schön was zu schleppen für die Kleinen. Sie lassen sich ein Seil geben. Und sie bestehen darauf, den Tannenbaum mit auf den Spielplatz zu nehmen. Also zieht eine Karawane durch Golm: Vier Kinder mit einem hintenanhängenden Tannenbaum, vier Mütter, ein Kinderwagen, ein Kiddyboard. Damit fallen wir dann doch ein wenig auf. Am Spielplatz angekommen, ist der Tannenbaum heiß umkämpfter Schatz, der gegen “fremde” Kinder verteidigt wird. Um den Tag nicht vollkommen nutzlos verstreichen zu lassen, lese ich eine pädagogisch wertvolle Geschichte vor, an deren Ende die Kinder zur Vertiefung des Gehörten ein Haus mit Fundament im Sand bauen sollen. Sie bauen eine Baugrube mit einem Zaun drumrum. Das Wichtigste ist ihnen aber der Garten. Im Garten soll ein Baum stehen. Wo bekommen wir einen Baum her? Wir HABEN ja einen Baum. Also legen sich drei Mütter mit Schippen in den nassen Sand auf den Bauch, um ein großes Loch für den Weihnachtsbaum zu graben (es sind ja schließlich noch fünf Wochen bis Ostern). Gut, der Baum steht. Ein bisschen kahl sieht er noch aus. Wir schmücken ihn. Mit Sandspielzeug, unseren Teebechern und Dingen, die sonst noch so rumliegen. Wir haben inzwischen eine ganze Reihe Zuschauer von den gegenüberliegenden Häusern. RTL ist nichts gegen uns! Irgendwas fehlt jetzt aber noch. Ein Weihnachtslied. Wir stellen uns um den inzwischen schon sehr von Nadeln befreiten Baum und singen mit voller Überzeugung: O Tannenbaum, wie grün sind Deine Blätter. Fünf Wochen vor Ostern, falls ich das noch nicht gesagt habe. Danach beschließe ich, mir bald einen neuen Wohnort zu suchen.
4. Das Stunt Girl
begegnet uns auf unserem Rückweg, wieder mit Tannenbaum im Schlepptau, Kinderwagen, etc. Wir mussten sehr lachen, als sich eine Dame im Jogginganzug umdrehte, und wir auf der einen A…Backe das Wort “Stunt” und auf der anderen “Girl ” lesen können. Nichts passte weniger zu ihr und doch zugleich besser zu unserem komplett absurden Tag.